Damit das antioxidative System optimal funktionieren kann, ist eine gute Versorgung des Tieres mit Selen erforderlich. Die richtige Selenquelle spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mehrere Tests mit Selisseo, einem organischen Selen, zeigten einen höheren Selengehalt im Blutplasma und Kolostrum im Vergleich zu einer mineralischen Selenquelle oder Selenhefen.

Neben den Vitaminen C und E ist Selen ein bekannter Teil des antioxidativen Systems. Es bietet Schutz vor oxidativem Stress, der durch verschiedene Faktoren wie Hitze, Trächtigkeit oder hoher Milchproduktion verursacht wird. Damit dieses System optimal funktioniert, ist eine gute Selenversorgung erforderlich.

Selen ist Bestandteil von zwei wichtigen Aminosäuren, Selenomethionin (SeMet) und Selenocystein (SeCys). SeMet ist die natürliche Form, in der Selen im Körper gespeichert wird. Dort wird es als „Methionin“ in Proteine eingebaut.

SeCys ist die aktive Form, die in Selenoproteine eingebaut wird. Diese spielen eine wichtige Rolle im antioxidativen System wie z.B. der Glutathionperoxidase (GSH-Px).

Aus der Nahrung aufgenommenes SeCys kann nicht direkt in Selenoproteine eingebaut werden. Nur im Tier de novo gebildetes SeCys wird verwendet. Dieses wird aus dem aus der Nahrung aufgenommenen Selen oder aus dem im Körpergewebe gespeicherten SeMet gebildet.

SeCys, das vom Tier über die Nahrung aufgenommen wird, folgt im Selenstoffwechsel den gleichen Schritten wie Selen aus anorganischen Quellen. Diese werden zunächst in der Leber zu H2Se umgewandelt und anschließend de novo zu SeCys synthetisiert. Die Bereitstellung von SeCys über die Ration hat daher keinen Vorteil gegenüber anorganischem Selen. Da SeCys, anders als SeMet, nicht gespeichert werden kann, wird es ausgeschieden, wenn es nicht direkt für die Bildung von Selenoproteinen benötigt wird.

Die einzige Möglichkeit einen gleichbleibenden Gehalt an Selen im Körpergewebe aufzubauen ist die Zufuhr von SeMet über die Nahrung. Da diese Form im Körpergewebe gespeichert wird, kann ein Reservevorrat aufgebaut werden, der genutzt werden kann, wenn die Tiere unter oxidativem Stress leiden und akut mehr Selenoproteine benötigt werden. Mehrere Tests mit Selisseo, einem organischen Selen, das zu 100 % aus Hydroxy-Selenomethionin (OH-SeMet) besteht, zeigten höhere Selengehalte im Blutplasma und Kolostrum als bei Zugabe von anorganischem Selen oder Selenhefe. Dadurch wird die Produktion und die Tiergesundheit beim Milchvieh, aber auch die Übertragung von Selen auf das ungeborene und neugeborene Kalb unterstützt.

Abbildung 1: Der Gesamtselengehalt in Blutproben von Mastrindern stieg bei den Tieren mit Selisseo in der Ration am stärksten an (Praxisversuch Frankreich, 2017)

In einer Studie mit Fleischrindern (431 Tage alt und 485 kg schwer zu Beginn des Versuchs) wurde die Wirkung von Natriumselenit, einer Selenhefe (mit 69% SeMet) und Selisseo (mit 100% SeMet) auf den Selenstatus untersucht. Während der Studie stieg der Gesamt-Selen-Gehalt im Blut in der Selenhefe- und Selisseo-Gruppe signifikant an. Am Ende der Forschungsperiode war der Gesamtselengehalt der Selisseo-Gruppe um 14% höher als der der Selen-Hefegruppe.

Der Selenstatus eines Tieres kann nicht nur durch Bestimmung der Selen-Konzentration im Blutplasma, sondern auch durch Bestimmung der Aktivität von GSH-Px in Blut und Geweben bewertet werden. Eine Studie von Sun et al. (2017) hat gezeigt, dass Milchkühe, die Selisseo über die Ration erhielten einen höheren Selengehalt im Plasma und folglich einen höheren Gehalt an GSH-Px im Serum aufweisen als Tiere mit Natriumselenit in der Ration. Dies verleiht den Milchkühen eine bessere antioxidative Kapazität und einen besseren Schutz gegen Stress.

Eine Zugabe von Selisseo in der Trockensteherration erhöht die Selengehalte im Blut der Kuh rund um das Kalben herum. Die Kälber werden sowohl durch eine höhere Selenversorgung während der Trächtigkeit, als auch durch einen höheren Selengehalt im Kolostrum unterstützt, wenn während der Trockensteherperiode eine gute SeMet-Versorgung der Kuh gewährleistet ist (Juniper et al., 2019).

Abbildung 2: Der Selengehalt im Kolostrum ist mit Selisseo in der Ration signifikant höher (Juniper et al., 2019)
Abbildung 3: Eine gute SeMet Versorgung während der Trockenstehperiode resultiert in höheren Selengehalten im Blutplasma von Kälbern (Juniper et al., 2019)

Ein guter Selenstatus ist unerlässlich, um die Produktion und die Gesundheit von Milchkühen optimal zu unterstützen. Die richtige Selenquelle in der Ration ist in dieser Hinsicht entscheidend.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von unseren niederländischen Kollegen zur Verfügung gestellt.